Beijing - MMK GALLERY
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Beijing

Guten Tag aus Beijing. Mein Bericht und eine Fotos kommen leider sehr verspätet da ich der Internetzensur Chinas unterlag. Kein Facebook, kein WordPress, und einige andere Seiten die ich spontan öffnen wollte, wurden leider auch zensiert. Das war sozusagen mein Einstand in China. In Kombination mit den letzten Stunden im Zug und einem tierischen Hunger war ich erst mal so richtig sauer. Wer mich kennt, weiß dass das maximal 7 min dauert und eigentlich nicht der Rede wert ist. Nach einer Dusche ging es erst mal raus in die Stadt! Ich muss ja zugeben dass ich mich schon mental etwas darauf vorbereitet habe in eine völlig überfüllte, stressige, dreckige, heiße, schwüle, versmogte, hektische Stadt zu platzen und darin völlig zu versinken. Umso überraschter war ich dann als  ich nach 5 min Spaziergang zum Restaurant feststellte: Krass. Breite saubere Straßen, entspannte dahinschlendernde elegante Chinesen, angenehmer Wind, imposante typisch chinesische Gebäude, relativ entspannter Verkehr! Also Kuta war um Meilen schlimmer!! Das Restaurant war wunderbar. Sehr cool, als mit Bambus verkleideter Tunnel mit vielen großen runden Drehtischen. Auf einem dieser Tische wurden unsere Zahlreichen Gerichte inclusive Peking-Ente serviert. Auch da war ich wieder sehr überrascht, weil diese Küche mit dem was wir von chinesischem Essen her kennen, nichts zu tun hat! Alles schmeckte ausgesprochen frisch, mit tollen Kräutern, frischem Koriander, einzigarten Aromen, scharf, salzig, knoblauchig, süß hier und da, würzig, Lemongrass, Ingwer, Pfeffer, Chillies, Nelken?? Das meiste an Gewürzen und Aromen kannte ich nicht! Dabei ist mir aufgefallen dass ich seit einpaar Wochen, bis auf die Nudelsuppen Im Zug, jeden Tag, jedes einzelne Gericht etwas völlig neues gegessen habe! Was für eine Vielfalt!!! Ich habe einfach auf der Straße alles probiert was ich gesehen habe, von tollen chinesischen Crepes mit Ei, Salat, Kräutern und einer scharfen Chillissauce, über gegarte Dumplings, chinesisches Gebäck dass meistens aus Blätterteig oder Mürbeteig besteht, Blätterteigröllchen mit Sahne, leicht gesüßtem Yoghurt den man vor Ort an dem jeweiligen Stand durch einen Strohhalm trinken muss, am Abend auf der Straße gegrillte Satespieße aus Lamm, Hähnchen, Seidenrauben, Rind, Skorpion, Mehlwürmern, und Schlange, sowas wie Sesamknäckebrot, karamellisierte Früchte, gegrillte Wurst, HotPot, Nudelsuppen aller Art, Frittierte Teigschlangen zum Frühstück, gebratene kleine Teigtaschen mit Fleisch oder Kräutern, Eiscreme aus Grünem Tee bis hin zu einer Heuschrecke. Phänomenal. Ich bin völlig begeistert davon was man hier alles essen kann und wie einzigartig alles schmeckt! Lediglich vor der Riesenspinne habe ich doch noch ziemlich Respekt. IMG-20130617-WA0000Das Vieh sieht einfach so krass aus. Gross, schwarz, mit nem fetten Hintern. Ich kann mir ja kaum vorstellen das in die Hand zu nehmen, geschweige denn zu essen. Aber dann denken ich mir immer wieder: Es ist lediglich angelernt dass ich das widerlich finde, es hat keinen wirklich logischen Grund. Ich muss diese Mauer einfach einstürzen lassen, sie macht an dieser Stelle meines Kopfes keinen Sinn. Sie steht da schon viel zu lange, und begrenzt meinen Weg. Wenn diese Spinne gut genug für die Menschen hier ist, wer bin ich dass ich sie verschmähen darf?! Ich werde heute Abend zum Nachtmarkt gehen und diese Spinne essen. Oder?? Also, ich bin schon sehr neugierig wie so ein Vieh wohl schmeckt. Wie es sich anfühlt. Und ich bin auch etwas gespannt wo meine Grenze ist. Also lebendig würde ich so was ganz sicher nicht essen! Aber frittiert… Ich mach ein Foto. …ich bin doch echt total bekloppt:-D Die anderen Skurilitäten waren nämlich echt halb so wild. Die Mehlwürmer zb hätten auch einfach kleine frittierte, knusprige Mininudeln sein können. Und die Seidenrauben haben sich etwas angefühlt wie Maronen, allerdings mit Schale. Die Skorpione haben irgendwie einfach nur frittiert geschmeckt, also knusprig und leicht Teigig innen. Die Schlange war etwas zäh… Aber alles in allem denke ich, würde ich keine dieser Dinge als irgendwie seltsam identifizieren, wüsste ich nicht was ich da esse. Es ist also lediglich die angelernte Vorstellung davon, dass etwas anders und potentiell eklig ist, die uns davor abhält solche Speisen als selbstverständlich und schmackhaft zu werten. Seltsamerweise gilt dies meist nur für sich bewegende Objekte, die Scheu vor neuen Früchten oder Gemüsesorten ist weit geringer.

Weiter durch die Straßen laufend beobachten wir tanzende Gruppen von Chinesen in den kleinen straßensäumenden Parks. Selbst zum deutschen Hit „Moskau,Moskau“ tanzen sie, synchron, gleichgeschaltet aber durchaus lustig und glücklich. Vor einer christlichen Kirche singt ein Chor. Männer tragen ihr Polohemd bauchfrei hochgekrempelt um ihren Wohlstandbauch zu präsentieren. Jemand holt lautstark den tiefsten Schnodder aus seinem Rachen und spuckt auf die Straße. Is normal hier. Stört mich nur wenn ich grade in einer schwachen Geistesverfassung bin, weil ich stundenland durch die Stadt gelaufen bin ,hunger habe, oder wie jetzt, erkältet bin. Dann nimmt mich das jedes Mal mit wenn ein Chinese neben mir laut furzt, rülpst, spuckt oder egoistisch drängelt. Sonnenschirme ohne Ende. Die bekommt man als etwas größerer Europäer auch gerne mehrmals täglich ins Auge gerammt wenn man nicht aufpasst. Die Chinesinnen mögen Blässe sehr gerne, es gilt als Schönheitsideal möglichst dünn und blass zu sein. Deswegen ist auch meistens Bleiche in den Gesichtscremes hier, und wenn man nicht aufpasst ist die teuer erarbeitete Bräune durch ein paar Mal eincremen wieder futsch. Man muss aufpassen dass man nicht überfahren wird, denn die Chinesen kümmern sich eigentlich gar nicht um Fußgänger, es gilt das Recht des Stärkeren, wer das größere Auto fährt hat Vorfahrt. Völlig egal was Ampeln oder Zebrastreifen oder teilweise sogar Verkehrspolizisten sagen. Winken bedeutet „Nein“ Es war ganz lustig als mir ein Militärmensch zum erste Mal freundlichen zugewinkt hat als ich in die U bahn wollte. Ich dachte, oh wie nett, habe diese Uniformierten ja ganz falsch eingeschätzt! Die sind ja locker und Nett! Nääää. Nix da! Nachdem ich zwei Meter auf den freundlich winkenden Militärmenschen zugelaufen bin, stürmte er schon los und wies mich lautstark die Treppe hoch. OK. Wieder was gelernt. Chinesen machen ungefähr genauso viele Fotos von mir wie ich von Ihnen. Sie versuchen es nur auf eine sehr unauffällige Art und Weise und tun so als ob sie z.B. eine Fassade hinter mir fotografieren würde, die völlig uninteressant ist . Oder sie stellen sich einfach ungefragt neben mich und lassen sich ablichten. Da ich sie auch gerne in ihrem täglichen Leben fotografiere und filme, ist es ein recht ausgeglichenes Verhältnis. Ich bin erkältet und schiebe mir ständig Tigerbalm in die Nase um atmen zu können.

Am Abend wollen wir endlich mal ordentlich zusammen feiern gehen und lassen uns die Adresse von DEM Club in Beijing aufschreiben, der Mixclub. Witzigerweise bekommt man eine Adresse immer auf vier  Arten notiert: Chinesisch in chinesischer Schrift, chinesisch in westlicher Schrift, die dazugehörige Lautschrift und der englische Name. Natürlich wurden wir vom Taxifahrer trotzdem ca. 3 Blocks weiter gefahren als gewollt. Der Club war super, riesig, vier Floors, zahlreiche Lounges und Bars, überall Schalen mit frischen Früchten und Eistee, Musik wie man sie wohl grade überall auf der Welt hört und haufenweise Chinesen, was mich irgendwie die ersten vier Tage täglich aufs Neue überrascht hat. Wir hatten ne Menge Spaß, haben bis früh morgens durchgetanzt und getrunken und wurden von Typen angebaggert die uns grade mal bis zur Schulter reichten. Ich, auf der Treppe vor dem Club sitzend, in 50cm sicherer Entfernung von einem bebrillten Einheimischen, von demselben in ein gebrochenes englisches Gespräch verwickelt. 40cm. Weitere Unterhaltungsversuche. 20cm. Unnötig zu sagen dass die Annäherungsversuche grade zu heimlich durchgeführt wurden! ich drehe mich um um mit meiner Freundin zu reden, da sitzt der Kerl schon wieder 10 cm näher! Plötzlich, wirklich bis zu meiner Schulter reichend, klammert es sich an mich und lässt nicht los! Völlig überrascht und versteift versuche ich mein Anhängsel wieder los zu werden und freue mich schon insgeheim drauf meine neu erworbenen Hapkidotechniken endlich anwenden zu dürfen, da lässt es los und grinst mich an. Aaaalter, schnell weg!:) Es ruft mir noch zu dass ich gut rieche. Ich denk mir: Himmel, Hilfe, ich könnt mir den in die Handtasche stecken! Ab zurück ins Hotel, morgen früh geht zur Chinesischen Mauer. Ich brauche mehr Tigerbalm.

Chinesische Mauer

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Wir fuhren ca 2-3 Stunden hin, Zeit spielt für mich nur bedingt eine Rolle. Nämlich die zum Nächsten Flug. Beijing hat 7 erhaltene Sektionen der Mauer, einige Restauriert, andere nicht, einige touristisch sehr erschlossen andere gesperrt oder unbetretbar. Dort angekommen stellten wir fest dass es sich um einen touristisch erschlossenen Bereich handelt. Es werden Perlenketten, Fächer, Drachenfiguren, Kommunistische T-Shirts und Mützen, Räucherstäbchen, Buddhas, Mauerstatuetten, Schirme, Wasser und Süßigkeiten verkauft. Wir nehmen die Seilbahn hoch zur Mauer und sind erst mal beeindruckt von der Aussicht, wie sich das Bauwerk durch die Landschaft rauf und runter schlängelt. Da wir gesehen haben dass es in einer Richtung einen unrestaurierten, von den Touristen weniger erschlossenen Abschnitt der Mauer gibt, laufen wir dort hoch. Der Puls geht die nächsten 20 min konstant auf 200 hoch, die Stufen sind hoch und unregelmäßig, die Luft ist stickig und heiß, die Sicht eher vernebelt oder besser gesagt versmogt, aber es fühlt sich unglaublich aufregend an auf diesem historischen Denkmal, diesem Wahnsinnsbauwerk zu laufen und sich vorzustellen wie die chinesische Bevölkerung 2000 Jahre an diesem vor der mongolischen Armee schützenden Bollwerk gearbeitet hat. Die Menschen damals waren dazu verpflichtet worden, jeder musste mithelfen, tausende und abertausende sind dabei gestorben und wurden zum Baumaterial, in die Mauer vergraben. Ein Massenfriedhof unfassbarer Dimension. Der dichte Wald um die Mauer besteht hauptsächlich aus Wallnussbäumen. Passend  irgendwie, wenn man sich die englische Übersetzung vor Augen hält:) Ich setze mich ab, laufe schneller und erreiche den unrestaurierten 600 Jahre alten Teil der sich völlig zugewachsen und zerbröselt vor mir dahinschlengelt. Ich setze mich auf die Mauerbegrenzung und genieße die unvergleichliche Aussicht. Ich sitze auf der chinesischen Mauer, 78 km von Beijing entfernt, 7000km von zuhause entfernt, seit zwei Wochen unterwegs, verbunden mit meinen Lieben, mit meiner Familie, meinen Freunden, meinen Vertrauten. Wunschlos glücklich. Was will man auch mehr? Ich treffe die anderen wieder, wir verbringen zeit dort, erzählen und von unseren Eindrücken, nehmen die Rutsche wieder runter und fahren zurück zum Hotel. Ich höre meine Oldschool-Hiphop-Musik, grinse vor mich hin, während die anderen, geplättet von der Feierei gestern Abend schlafen.

Ich ziehe in mein neues Hostel südlich der verbotenen Stadt um, 356inn, kann ich nur empfehlen! Es befindet sich in der „Altstadt“ den Hutongs und sieht kurioserweise genauso aus wie man sich China vorstellt. Kleine Gassen, ein bis zweistöckige typische Häuser aus grauem Stein, kunstvoll verziert, Rikschas, Fahrräder, Essensstände, haufenweise Chinesen, immer noch! Es hört gar nicht mehr auf:) Die Atmosphäre ist einfach einmalig, willkommen in Beijing sag ich mir, laufe durch die Straßen und Gassen, schieße Fotos, beobachte die Menschen, esse was ich noch nicht probiert habe, werde fotografiert, fotografiere…. Es kommt mir doch so vor als sei ich erst ne Woche weg.zu Fuß durch die Stadt laufen, das ist wirklich heftig. Bin eines Tages brav um sechs aufgestanden und Richtung Norden zur Verbotenen Stadt gelaufen, die allerdings noch geschlossen hatte. Durch den seitlich gelegenen Zhongshan-Park bin ich bis zum nördlich der verbotenen Stadt gelegenen Jingshan Park gelaufen, dort nach oben zum Buddhatempel und die wundervolle Aussicht genossen. Die Kinderspielplätze sind rigoros von Thai-chi-praktizierenden und sich über die Maßen dehnenden Senioren besetzt. Überall strecken sie ihre Beine hoch, klappen senkrecht zusammen um im Stand mit der Stirn ihre Knie zu berühren, sitzen im Spagat auf Bänken und diskutieren einzelne Fußstellungen des Thai-Chi.CHina_Beijing 2013 (231 von 400) CHina_Beijing 2013 (234 von 400) CHina_Beijing 2013 (235 von 400) Phänomenal das anzusehen, vor allem wenn man bedenkt das unsere Senioren zumeist nicht mal mehr richtig gehen können. Man lernt: es geht auch anders. erinnere dich in 40 Jahren nochmal daran Marcela! Für mich geht es weiter zum Belhaj-Park, mit einer wunderschönen Pagode auf einer Insel mitten im See, kunstvollen Gärten und Steinwegen. Um 12 Uhr bin ich dann wieder zurück zur verbotenen Stadt gelaufen, die dann aber schon wegen Überfüllung geschlossen hatte. Ich könnt…. naja. Weiter geht es zum Tiananmen-Platz. Dort bekomme ich allerdings jedes Mal Bauchschmerzen, wenn ich bedenke dass es keine 25 Jahre her ist das dort die Demokratiebewegung mit 2700 Toten ihr Ende fand, das heute einfach von der chinesischen Regierung verleugnet wird und stattdessen riesige Screens Werbefilme vom heilen China spielen, während Militärtrupps marschieren!! Seit dem gibt es keine Aufstände mehr. Keiner widerspricht. Alles toll hier. Und „winkende“ Polizisten…

CHina_Beijing 2013 (211 von 400) CHina_Beijing 2013 (192 von 400)

Durch die Stadt zu laufen hab ich nach 7 Stunden aber nun echt satt. Es ist einfach zu heiß, zu stickig, alles ist zu weit entfernt und man muss jedes Mal irgendwelche Unterführungen und Brücken als Fußgänger nehmen, die auch schon mal völlig willkürlich gesperrt werden und man zig Meter Umweg auf sich nehmen muss. Ich entschließe mich also ein Fahrrad zu mieten und, siehe da: Fahrradfahren in China ist wie Reiten in der Mongolei! Das passt einfach. CHina_Beijing 2013 (321 von 400)Der Fahrtwind tut gut, der asiatische  Verkehrs liegt mir, ich finde mich prima zurecht, brauche pro Tag vielleicht nur zwei Mal auf mein Handy wegen GPS zu gucken, ansonsten lasse ich einfach alles auf mich zukommen und stelle fest: Easy! Ich komme durch die unterschiedlichsten Viertel, von schicken großen eleganten Hotels und Malls, Restaurants und Geschäften, hin zu kleinen Gasen und Hutongs wo die Menschen draußen grillen und Karten spielen, über imposante Geschäftsviertel mit glänzenden Hochhäusern, dem CN-Tower, an Märkten, an Parks, Tempeln und Gärten, bis hin zum Olympischen Stadion, dem botanischen Garten, dem Ausstellungsort für Agrarkultur, und und und. Top. Radfahren. Nur zu empfehlen! Mein erster Ausflug ging zum Himmelstempel, und nach und nach hatte ich die Verbotene Stadt, einige Parks, den Konfuzius-Tempel, den Lama-Tempel, die Geisterstraße, den Nachtmarkt, das olympische Gelände und den 22km entfernten Sommerpalast angesteuert und besichtigt und bin somit echt durch die halbe Stadt gefahren. So langsam hab ich die chinesische Architektur auch kapiert und erkannte alles Mögliche wieder, symmetrisch geometrische Grundrisse, Betonung der horizontalen, die typisch dynamisch geschwungenen Dächer mit kunstvollen Abschlüssen und Firsten, den die Ecken bewachenden Drachen, die Ausrichtung mit dem Eingang nach Süden, der bunte Lack in hellblau, mittelblau, hellgrün, mittelgrün, rot und gelb der auch zum Schutz des Holzes aufgetragen wurde, die Zimmermannskunst die es ermöglicht mehrstöckige kunstvoll verzierte Pagoden und Tempel ohne auch nur einen Nagel zu bauen!  Nichts ist ohne Grund oder Bedeutung aufgemalt oder eingetragen, alles hat seinen Sinn, seine Geschichte, seine Berechtigung, ist ein Symbol oder ein Zeichen mit einer genau definierten Bedeutung. Und nichts bleibt ungeschmückt oder wird als selbstverständlich nur seiner Funktion überlassen. Alles hat präzise geometrische Proportionen und ist ein vielfaches oder ein grader Bruch eines Ganzen, und klingt somit wie Musik. Architektur und Melodie. Die Gärten wiederum werden nach einem fast gänzlich gegenteiligen Konzept entwickelt und sollen so geschwungen und organoid wie möglich erscheinen. Unerwartete Biegungen in den natürlich, locker gepflasterten Steinwegen, hier eine Weide die den Blick erst nach und nach auf einen Lotusteich freigibt, dem man zu einer geschmeidig gewölbten Brücken folgen kann um zu einer leicht erhöhen Pagode zu gelangen, von der aus man wiederrum eine wunderschöne Aussicht auf den Sommerpalast oben auf einem Hügel am anderen Ufer eines Sees hat. Man „geht“ nicht  durch diese Gärten, man „wandelt“. Beijing2 (78 von 91)Unglaublich dezent, elegant und fein werden hier Blickpunkte und Bewegungen arrangiert und gefügt, grade zu zärtlich wird das Sonnenlicht durch die Bäume gefiltert, werden einzelne Bauten im Wasser gespiegelt, sodass sich eine sehr ruhige, liebevolle, friedvolle und die Seele streichelnde Atmosphäre bildet. Die Locals halten sich gerne in den Parks und Gärten auf, man beobachtet sie Musizieren, Tanzen, Tai-Chi-praktizieren, Karten oder Mahjongg-spielen, Singend und Fotografierend.  Ein Highlight war für mich der Lamatempel. Ich schätze etwa eine Million Riesenräucherstäbchen werden pro Tag auf dem Tempelgelände verbrannt! CHina_Beijing 2013 (371 von 400)Ein friedvolles, wunderschönes, kunstvolles und stilles Areal voller betender Menschen, umspielt von duftendem Rauch. Ich war vollkommen verzaubert, zündete selbst einige Räucherstäbchen an und blieb einfach da. Eine Zeit lang. Ein Teil von mir sitzt immer noch da, zwischen zwei Tempelhallen im Schatten.

Nun sitze ich am Flughafen, warte und wundere mich immer wieder aufs Neue warum sich hunderte Menschen in eine Schlange vor dem Gate aufstellen?!  Weil das Flugzeug sonst ohne sie abfliegt wenn sie einfach sitzen bleiben? Um den ihnen bereits beim Check-In fest zugewiesenen Sitzplatz auch wirklich-wirklich zu bekommen??? Verstehe ich nicht. Ist auch überall, an jedem Flughafan auf dem ich war, gleich. Nö. Ich mach da nicht mit; ich warte schön bis die Schlange weg, schlendere dann gemütlich zum Gate und zu meinem Sitzplatz. Bis dahin ein paar Beobachtungen:

Die Geisterstraße ist der Hammer: Tausende rote Laternen an einer Straße mit unzähligen Restaurants vor denen mindestens 36225 Millionen Menschen auf unendlich vielen Stühlen sitzen und sonnenblumenkerneessend auf einen Sitzplatz warten!Beijing2 (89 von 91)

Das Fotografieren wird hier echt mal auf die Spitze getrieben:-)

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Lächeln bedeutet GAR NIX.

Hier in Beijing (ich weiß nicht wie es im restlichen China ist) gilt offenbar ganz klar „jeder ist sich selbst der Nächste“  von Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft ist ohne Verbindung mit viel Geld nichts zu sehen. Sehr schade:-(

Die Leute stehen immer noch in der Schlange zum Gate, ich lach mich lockig!

Während man bei uns nur in die Schwärze blickt während man beim U-Bahn fahren aus dem Fenster guckt, läuft hier Werbung auf Screens im Tunnel:) Gute Idee!!

Es gibt Wickeltische auf Herrentoiletten. Sehr vorbildlich!

Man lässt gerne mal Kleinkinder ihr Geschäft mitten in die Fußgängerzone verrichten. Nein, nicht an einer Fassade, in einer Gasse, oder irgendwo versteckt: MITTEN rein. Stört sich niemand dran. „IN YOUR FACE“

Ich würde sagen: Es ist hier einerseits GANZ anders als ich es mir vorgestellt habe, und andererseits wiederum alles echt TOTAL so wie man es sich vorstellt:) Diese eher ambivalente Haltung habe ich irgendwie während meiner Woche hier entwickelt. Ich habe es unglaublich genossen und bin begeistert von so vielen Dingen hier, aber fand es hin und wieder auch richtig abstoßend. Ich würde sagen: Das gibt ne Revanche. Ich möchte nochmal längere Zeit durch China reisen und sehen wie mein Pendel ausschlägt, und ich würde wahnsinnig gerne mehr über  „die Kultur der Traditionellen Chinesischen Medizin“ wie sie hier genannt wird, Akupunktur, Tai-Chi und Kung Fu erfahren und lernen!

So die Schlange ist weg, ich steig ins Flugzeug ein. Ab nach Bangkok!

Marcela Kamanis

4 Comments

  • Sehr schöner Bericht. Schön geschrieben. Kompliment.

    23. Juni 2013 at 9:50
  • Gut!!! Phantasieanregend, emotional, sachlich, einfach wunderbar zu lesen! – aber- hast Du jetzt die Spinne gegessen, oder nicht?? 🙂

    23. Juni 2013 at 13:09
  • ….Nein, hab ich nicht! Aber nur aus dem Grund dass ich keine Gelegenheit mehr dazu hatte. Nächstes Mal! 😉

    23. Juni 2013 at 13:24
  • Vergib IhnenVater

    Antworten

    immer wieder eine riesen freude deine posts zu lesen. freue mich über dein bericht aus bangkok 🙂
    ps: haben uns für kho samui entschieden, wohin ist noch gleich dein freund gezogen?

    go gurl!

    24. Juni 2013 at 12:09

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